RESPEKT!

16.30 Uhr mitten in der Woche. Wir sind verabredet, meine Tochter und ich. Mit Kindern und Müttern. Mit Freunden. Die Sonne hat sich durch die Wolken geschoben und trotz der Kälte ist es schön draußen, zu sein. Das finden nicht nur wir. Klettergerüste, Schaukeln und die Rutsche sind fast dauerbelegt und auf den hinteren Bänken hören ein paar Jugendliche laut Musik. Deutsche Musik. Rap. Die Texte sind gewöhnungsbedürftig und ich bin froh, dass meine 2jährige diese nicht versteht.

Ich sage nichts dazu, bitte die Gruppe aus circa vier 16 bis 18jährigen nicht, die Lautstärke zu regeln, sondern hoffe irgendwie, dass sie von selbst merken, wie wenig diese Musik zu dem Ort passt. Und irgendwann höre ich ganz weg und konzentriere mich auf den sonnigen Nachmittag mit meiner Tochter und Freunden. Bis einer rülpst. Laut. Und natürlich schaue ich reflexartig auf. Der Längste der Teenager wirft im selben Moment seine Bierflasche im hohen Bogen in das Gebüsch hinter ihm. Das stößt mir auf. Zu lange schon. Zu oft habe ich kaputte Flaschen von Spielplätzen und Wiesen geräumt, damit sich weder Kinder noch Hunde verletzen. Zu oft habe ich Scherben aus dem Sand gefischt und den Müll anderer beseitigt. Mir reichte es. Und das sagte ich ihm geradewegs ins Gesicht. Ob ihm die Mutti nicht ein wenig Anstand beigebracht hätte? Und dass er die Flasche wieder aus dem Gebüsch angeln solle, schließlich spielen hier Kinder.

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Mutterschaft ist kein rosa Designermäntelchen

Samstagnachmittag. Zwei Tage vor Weihnachten. Ich sitze in der Küche mit einer Tasse Pseudokaffee (entkoffeiniert) in der einen und mit dem Handy in der anderen Hand, um in den nächsten 10 Minuten alle Nachrichten meiner Freunde und der Familie zu beantworten und um einen schnellen Blick in die sozialen Netzwerke zu erhaschen. Fünfzehn Minuten später lese ich noch immer Blogs und scrolle mich durch die bunte Insta-Welt. Mittlerweile ist mein Blutdruck im oberen Level meines Normalzustandes angekommen. Das liegt einerseits an der Hausarbeit die noch erledigt werden möchte, bevor unser Töchterchen aus ihrem Mittagsschlaf erwacht, andererseits an den Stories und magazintauglichen Fotos der Netzwerkblasen.

Post 1: Mami posiert im Partnerlook mit Babygirl. Rosa Mäntelchen schwingend tänzeln sie über verschneite Wege, kurz blitzt das Logo des Designers auf.

Post 2: Mami und Papi schmücken einen prächtigen Weihnachtsbaum, während sich ihre drei Kids darunter neckisch mit Rentierpullovern vor einem Geschenkeberg arrangieren.

Post 3: Double-Mom-to-be kuschelt mit Kind Nummer eins und einer hübsch verhüllten Babymurmel gemütlich und entspannt vor dem Kamin, die eigene Wallemähne in sanfte Locken gelegt. Das Feuer prasselt und Double-Dad-to-be schwenkt im Hintergrund ein Gläschen Hochprozentiges. Die dazugehörige Flasche unauffällig in die Bildgeschichte integriert.

„Mensch Mandy!“, werden wohl gerade einige denken. „Biste etwa neidisch?“ Weiterlesen