R.I.P. Erwartungen.

Der Bildschirm meines Smartphone wirft blaue Lichtschatten auf mein Gesicht und ich sehe ein Spiegelbild meiner selbst auf dem Glas des Displays, unterbrochen von Bildern und Texten der Facebook-Neuigkeiten.

Was erwartest Du von 2017?, steht auf meiner Stirn, und auf meiner Nase macht sich wie ein großes Pflaster ein Schwarzweißbild einer nachdenklichen Frau breit. Der Teaser zum Text zieht sich wie ein Schnurbart über meinen Mund. 10 Dinge, die besser machen kannst und 10 Dinge die Du lassen solltest, damit das neue Jahr perfekt wird.

Ich habe schon keine Lust mehr, meine Zeit mit dem Inhalt des Dossiers eines bekannten Frauenmagazins, zu vergeuden.

Und so blicke ich auf das Display und das Spiegelbild meiner selbst, zwischen all den Buchstaben und Bildern, während das Wort Erwartung auf meiner Stirn prangt.

Die Er I war I tung. Substantiv, feminin. Zustand des Wartens, Spannung. Das passt gut, denke ich und muss lachen.

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Auszeit.

Ich habe sie so satt, die ganzen Zeitmanagementberatungen und Gute-Laune-Kalendersprüche, die Lifestyleblogs und Aussteigergeschichten. Immer zu lesen, wie ich sein könnte, wenn ich loslasse – mich, die Zeit, meine Ansprüche, dass was ich bin. Damit ich mich zu dem entwickeln kann, was ich wirklich und wahrhaftig sein möchte. Ich habe gelesen, zugehört, verglichen, angewendet. Und jetzt? Jetzt stehe ich kopfschüttelnd über dem ganzen Haufen guter Ansätze und möchte ein zündelndes Streichholz daran lecken lassen. Weil es eben nicht immer funktioniert. Es gibt nicht die Lösung für jeden einzelnen Menschen. Also lass brennen! Nieder mit den Gedankenfetzen, die lauernd in meinem Hinterstübchen hocken und mir mit Gollumgleicher Stimme zuflüstern: „Mein Schatz, es ist zwanzig Uhr. Hör auf mit arbeiten. Jetzt bist du dran. Qualitytime. Me-Zeit.“

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Ein letztes Mal – die finale Kriminacht im Shakunda.

Das Shakunda in der Karl-Liebknecht-Straße 102 verbinde ich unweigerlich mit seinem Besitzer Uwe und einem warmen, heimeligen Gefühl. Das liegt unter anderem an den urigen und sehr gemütlichen Räumlichkeiten des Lese-Cafés, dass so viel mehr zu bieten hat, als Getränke und Speisen, denn im Nebenraum des Cafés befindet sich ein Steineladen. Richtig gelesen. Hier kann man unterschiedliche Mineralien bestaunen und kaufen. Oder Bücher darüber. Natürlich auch Bücher über das Leben. Und Krimis. Mit denen kann man sich dann auf das Sofa niederlassen und bei Uwe einen Tee, Wein oder ein Bier bestellen. Ich habe dort alles probiert. Und mich in die Kochkunst des Inhabers verliebt. Nein, im Shakunda gibt es kein dekadentes Menü, keine riesige Auswahl an Speisen oder gar ein Dessert. Meist gibt es ein Gericht und bei diesem kann man zwischen vegetarisch oder mit Fleisch wählen. Das Geheimnis sind jedoch die Gewürze. Denn mit diesen zaubert Uwe eine unvergleichliche Mahlzeit. Und eine der letzten werde ich am 3. Dezember 2016 dort zu mir nehmen. Fast schon eine Henkersmahlzeit. Denn das Shakunda schließt seine Türen.

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Ein Lächeln für Dich.

Ich bin zappelig. Hibbelig. Die Gedanken in meinem Kopf werden lauter. „Stop! Stop! Stop!“, rufe ich und atme tief ein. Ich atme aus. Noch einmal. Die Stimme der Schmutzwäsche wird leiser, auch die Teller und Tassen aus dem Abwasch in der Küche versiegen in ein kaum vernehmbares Flüstern. Die unbeantworteten E-Mails verstummen. Ich atme weiter. Das Handy klingelt und ich schalte es einfach aus. Ruhe. Stille. Nichts geht und nichts kommt. Ich atme in das Jetzt und konzentriere mich. Ich schalte das Chaos des Alltages aus. Später, wenn ich wieder auftauche, wird es wieder lauernd vor mir hocken und mich freudig anspringen, bevor ich versuche, ihm Herr zu werden. Später. Dieser Moment ist nur für mich. Jetzt ist die Zeit für wichtige Dinge. Für diesen Text, den ich so gern schreiben möchte, weil ich eben darin Entspannung finde. Im Schreiben. Im Gedanken sortieren. Im Träumen und Denken. Dorthin möchte ich Euch mitnehmen.

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