Zwischen Kind und Kunst.

Ich habe Zeit. Ungefähr drei Stunden. Bis unser Mini nach einem weiteren Cocktail aus der Milchbar verlangt. Drei Stunden in denen der Papa diverse Albernheiten und den Mittagsschlaf mit seiner Tochter teilt. Drei Stunden in denen ich weniger Mama und mehr Frau sein werde.
Ich sitze auf dem diesjährig unbepflanzten Balkon und überlege, was ich mit meiner Zeit anfangen kann. Haare waschen? Maniküre? Schlafen? Schnell eine Freundin anrufen und spontan nach Zeit fragen? Haushalt? Der Geschirrspüler müsste ausgeräumt und die Pflanzen von ihren trockenen Blättern befreit werden. Der Rest ist glücklicherweise getan. Nicht von uns, aber von einer wunderbaren Fee, die unsere Räume in eine wohnliche Oase verwandelt, während ich unsere Tochter und den Hund bespaße und der Mann arbeiten ist. Oder wir in Familie etwas unternehmen können. Über vier Monate habe ich mich gefragt, wie das andere Familien machen. Mit dem Haushalt und dem ganzen Gedöns. Ich bin schon froh, wenn alles aufgeräumt und die Wäsche sauber ist. Denn zwischen Aufstehen, Gassirunden mit Hund und Kind, stillen, kaspern, kuscheln, spielen und manchmal auch essen, bleibt wenig Zeit für die Raumhygiene. Eigentlich keine. Nun nutzen wir ab und an die Dienste der guten Fee und fühlen uns wieder rundherum wohl.

Dabei blieb anderes nicht unprobiert. Ein Auszug:

„Ach, lass das Kind doch auch mal schreien, dann kannst du sauber machen.“
„Gib ihr einen Schnuller, dann gibt sie Ruhe.“

Das sind Empfehlungen, die ich auf Nachfrage gern erhalte. Manchmal auch ungefragt.
Und dann gucke ich meine Tochter an, die Krokodilstränen weint und frage mich selbst, wie ich auf diesen Ratschlag nur hören konnte. Im Übrigen nutzt sie auch den zwölften Schnuller nur, um diesen fröhlich prustend neben sich zu spucken. Wer hätte gedacht, dass es so viele verschiedene Arten von Nuckel gibt. Wer hätte gedacht, dass ich mindestens acht davon selber kaufen und bei ihr probieren würde. Und wer hätte schlussendlich gedacht, dass unser Mini einfach keinen davon nehmen, sondern bevorzugt an Spucktüchern oder am Daumen – ihren, meinen, dem von Papa – nuckeln würde. So ist das generell mit Vorstellungen und Plänen. Sie funktionieren mit Kind nicht mehr.
Wer hätte gedacht, dass ich einmal darüber schreiben würde.
Eine liebe Freundin meinte mal zu mir, wie merkwürdig es für sie ist, dass ich jetzt Mama bin. Ich nickte nur und sagte: „Glaub mir, es gibt Tage, da geht es mir genauso.“ Doch gibt es für mich nichts Schöneres auf der Welt, als genau das zu sein. Die Mama meiner Tochter. Nur manchmal, wie heute eben, genieße ich es sehr, einfach Frau, einfach Mandy zu sein und zu überlegen, was ich damit anfange.
Und da ich ein wenig aus der Balance geraten bin, tue ich das, was ich als Mandy immer sehr gern getan habe. Ich schreibe. Und auf den Geschirrspülers pfeife ich.

„Ich halte es für das Schönste auf der Welt, einen Roman zu schreiben – sich vor Papier zu setzen und eine Welt zum Leben zu rufen, die vorher noch nicht da war.“

Hans Fallada, Schriftsteller.

„Fast.“

Mandy Kämpf, Autorin.

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