Tausche Playstation 3 gegen ein paar Schuhe. Nur ehrlich gemeinte Angebote.

Ich bin sehr gut im Ausmisten. Mein Freund dagegen sehr gut darin, Dinge behalten zu wollen. Weil man diese sicher wieder einmal verwenden könnte. Weil diese Geld gekostet haben. Wir entrümpeln gerade unsere Küche. Ich beäuge ihn misstrauisch, als ich eine angeschlagene Kaffeetasse in die Box mit der Aufschrift Müll stelle.

„Warte!“, ruft er und ich zucke zusammen „Ich frage meine Oma ob sie die Tasse für den Garten brauchen kann.“

„Sie ist angeschlagen und Oma bekommt doch schon unser altes IKEA-Service. Die hier kommt in den Müll.“, erkämpfe ich mir mein Recht auf Schnick-Schnack-Erleichterung.

So geht das schon eine Weile. In der Kiste für den Müll ist kaum der Boden bedeckt, wogegen sich die Utensilien, welche eventuell noch einmal Verwendung in anderen Haushalten finden könnten, schier überquellen.

„Pah!“, tönt es plötzlich dumpf aus den Tiefen eines Küchenschrankes. „Was ist hiermit? Das kann doch weg, oder?“ Triumphierend hält mein Freund meinen Smoothie-Maker in die Höhe, welchen ich mir in kurzer Anwandlung einer Superfood-Ernähungsstrategie gekauft hatte. Drei Monate später habe ich festgestellt, dass mir Obst in seiner reinen, festen Form am besten schmeckt. Seitdem gammelt dieser Zerhäcksler zusammen mit Partyplastikgeschirr, verschiedenen Schnapsgläsern und einer Pompadour von Pseudo-Tupperware in den hinteren Ecken unseres Küchenmobilars.
Schon will ich ihm diesen aus der Hand nehmen und in die noch fast leere Kiste Müll stellen, als mein Freund sein wohlbekanntes Veto einlegt.

„Und wenn du ihn bei eBay-Kleinanzeigen reinstellst?“

Leise stellen sich meine Nackenhärchen auf und ein kalter Schauder läuft an meinem Rückrad herunter. Ebay-Kleinanzeigen! Der Treffpunkt ungewollter Dinge. Eine Datingbörse für Krempel. Das Forum seltsamer Fragen und unbeschriebener Angebote. Mein Freund sieht die Panik in meinen Augen aufsteigen und nimmt mich grinsend in den Arm.

„Alles wird gut!“, versucht er floskelhaft mich zu beruhigen. „Vielleicht bringt er fünfzehn Euro, dann hast du wieder Geld um dir neue Schuhe zu kaufen.“

Ein Seitenhieb auf meine neueste Errungenschaft beim Schlussverkauf eines bekannten Schuh-Supermarktes.

Ihm die Zunge herausstreckend, kämpfe ich mich aus seiner untröstlichen Umarmung.

„Okay, ich mache es!“ und zücke mein Smartphone um ein Foto von den überflüssigen Dingen zu schiessen.

Smoothie-Maker von von Russel Hobbs zu verkaufen, titele ich. Kaum genutzt und natürlich gereinigt. Voll funktionsfähig. Privatverkauf. Sind die Zeilen, welche ich in die eBay-Kleinanzeigen-App schreibe. Dann lade ich meinen ersten Verkaufswunsch hoch. Der zweite ist eine Teekanne in Form einer Erdbeere. Seltenes Sammlerstück. Hihi. Wobei das eher ein Test dafür ist, wie viel Krempel die Menschheit außerhalb unserer Küche zu kaufen bereit ist. Krempel, für den ich selbst einmal ein paar Taler hingelegt habe. Ja, ich fasse mir gern an die eigene Nase.

Ich mache mir wenig Hoffnung und bin umso überraschter, als mich schon am nächsten Tag die erste Interessenbekundung für den Smoothie-Maker erreicht.

„Ist noch da?“, blinkt es in meinem Postfach auf.

„Ja, ist er.“, und während ich noch über den Sinn der Frage nachdenke, da die Anzeige frisch und noch nicht gelöscht ist, blinkt mein Postfach erneut.

„Hat sich schon erledigt.“

WTF? Nach zwei Minuten? Was ist passiert? Ist mir ein Amazon-Blitzdeal dazwischen gekommen? Boykottiert mich die Flohmarkt-Branche? Oder ist es ein weiterer Test eines dieser Freunde, welche dich in den ungünstigen Augenblicken anrufen – wir gehen an dieser Stelle einfach mal von Händewaschen aus – und die du innerhalb weniger Sekunden zurück rufst, nur damit diese dann tagelang nicht mehr erreichbar sind. Kennt Ihr das auch? Ich frage mich dann immer, was passiert ist. Was machen die? Händewaschen? Über Wochen?

Am Anfang, also in den 90er Jahren, als ein eigenes Handy irgendwann erschwinglich wurde und Rufnummern inklusive der Namen auf den kleinen, monochromen Displays erschienen, war ich nicht nur informiert, sondern gleichzeitig panisch. Denn mein Rückruf blieb auch nach dem zwanzigsten Mal nicht erfolgreich. Jetzt stellt Euch mein Gedankenkarussell vor. Ich war schlichtweg überfordert! War der Teilnehmer plötzlich verstorben, in Ohnmacht gefallen, wurde er gekidnappt? In der Hoffnung, das gedankliche Opfer noch retten zu können, trampte ich mit der Straßenbahn zum Wohnort dessen, nur um dort angekommen festzustellen, dass dieser quietschfidel vorm heimischen TV-Gerät ein Videofilm mit Steven Seagal anschaute.
Entrüstet betastete ich meinen unerfüllten, menschlichen Rückruf, der mich seinerseits entsetzt anstarrte und sich nach meinem Wohlergehen erkundigte.

„Warum bist du nicht an dein Handy gegangen, nach dem ich dich zurück gerufen habe?“, konfrontierte ich ihn mit dem Grund meines unerwarteten Besuches.

„Oh!“, entfuhr es ihm. „Ich hatte nur eine Frage. Und in dem Moment als ich dich anrief, konnte ich mir diese selbst beantworten.“

That’s it. Seitdem penetriere ich niemanden mehr mit Rückrufen. Außer meine Oma. Aus verständlichen Gründen.

Doch zurück zu eBay-Kleinanzeigen. Meinem persönlichen Paradies. Nicht! Und damit umfasse ich all die Apps, welche sich mit An- und Verkauf beschäftigen. Kleiderkreisel. Shpock. Ebay. Whatever. Ich verstehe durchaus den Sinn dahinter. Ich respektiere ihn, finde ihn gut und in meinem Microkosmosverständnis von Recycling propagiere ich, diese Flohmarktbörsen auch zu nutzen. Weil es den Geldbeutel schont und die Umwelt. Ein befriedigender Kaufrausch. Wenn auch oft einseitig. Nämlich immer dann, wenn ein Interessent mir seine Playstation 3 zum Tausch für eine andere elektronische Ware, welche ich verkaufen möchte, anbietet. Obwohl ich jegliches Tauschinteresse in der Beschreibung ausdrücklich negiere. Besonders angetan bin ich auch von den Interessenten, welche meine hoch angepriesenen und aussortierten Gegenstände für den sprichwörtlichen Appel & Ei zu ergattern wünschen. Bin ich denn die gute Fee?

Und lasse ich mich doch auf einen dieser absurden Handel ein – denn herumliegend wird das Zeug auch nicht besser – hat es sich der eventuelle Käufer kurzum anders entschieden. Gegen mich. Und wieder bin ich es, die vor dem hellen Display ihres modernen Smartphone sitzt und sich kopfschüttelnd über die Welt wundert. In die Tonne damit!

Noch während ich meine Odysee der An- und Verkäufe hier aufschreibe, habe ich als begrenzt multitaskingfähige Frau die Erdbeer-Teekanne verkauft und mein Wasserglas verschweppert. Das seltene Sammlerstück hat virtuell schon seinen Besitzer gewechselt. Übrig bleibt verlassen der Smoothie-Maker…

Ein Bild dieses traurigen Highend-Gerätes habe ich Euch eingeblendet. Der Startpreis liegt bei 15 Euro.

Wer mir ein paar neue Sommerschuhe finanzieren möchte, kann sich gern per Mail bei mir melden.

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntagabend. Danke fürs Lesen.

Smoothie-1

2 Gedanken zu “Tausche Playstation 3 gegen ein paar Schuhe. Nur ehrlich gemeinte Angebote.

  1. samybee schreibt:

    Als ich vor unserem Umzug viel entrümpelte und gerade vom Spielzeug einiges verkaufte, fand ich EBay-Kleinanzeigen besser als Shpock. Irgendwie waren die Interessenten ernsthafter. Bei Shpock war die Hälfte: „Noch da“ ohne Verb und Satzzeichen und die andere Hälfte der Fragen hatte ich weiter oben oder im Text schon beantwortet, zu Verkäufen kam es selten. Bei Ebay Kleinanzeigen lief es irgendwie runder. Aber ich war schon froh, als ich den Karton der zur Seite gestellten Sachen weg hatte.
    P.S.: Nein, ich brauche keinen Smoothiemaker 😉

    Gefällt 1 Person

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