Ist DANKE ein Arschloch?

„Ist DANKE ein Arschloch?“, frage ich mich, als ich mit meinem Hund halb auf dem Fußweg, halb in der Hecke stehend, erwachsene Fahrradfahrer auf dem Fußweg vorbeihuschen lasse. Kein freundliches Danke, kein Kopfnicken, keine Rücksicht. Ich blicke den in sportliches Nylon gewandeten Mittdreißigern hinterher und schüttele verständnislos den Kopf. Gerade wollen wir aus dem schützenden Gebüsch wieder hervortreten, als eine Menschengruppe als wegeinnehmende Blockbrigade mit Zwillingskinderwagen gemütlich an uns vorbeispaziert. Wir halten beide die Luft an, mein Hund und ich und machen uns so schmal wie möglich, damit keiner dieser Menschen ein Stück von seinem gesetzten Weg abkommen muss. Ich fange einen mürrischen Blick auf, als mein Hund ihnen ein anständiges BITTE hinterherbellt. Ein DANKE schenken wir uns beide. Vorsichtig strecken wir unsere Nasen nach links und rechts und treten dann befreit auf den Fußweg hinaus. Jetzt ist er unser. Leider nur bis zur nächsten Ecke. Dort angekommen rasen der Vater zuerst, dann Kind plus Kind und zuletzt die Mutter auf ihren Drahteseln auf einen Meter Entfernung an uns vorbei. Vorbei ist es auch mit der Contenance meines Hundes, der nun erschreckt aufjault und wütend in Richtung der Familie seinen Kommentar abgibt.

„Scheiß Töle!“, höre ich noch einen der Erwachsenen rufen.

„Danke, du Blödmann.“, denke ich und laufe weiter. Der Fußweg ist bis zum Horizont frei und meine Gedanken sowieso. Was ist eigentlich mit dieser Welt passiert, dass Menschen derart unhöflich miteinander umgehen? Wo sind die Manieren geblieben? Was ist mit den Wörtern BITTE und DANKE? Was mit einem fröhlichen Hallo oder der offen gehaltenen Tür, durch die man nach dem Vorläufer gehen möchte?

„Der Mund fällt von alleine zu.“, erinnere ich mich an einen Ausspruch meiner Eltern und den mir damit anerzogenen Höflichkeitsfloskeln. So gehöre ich tatsächlich zu den Menschen, die ebendiese gern benutzen. Noch nie ist mir eine Perle aus meiner nicht vorhandenen Krone gefallen, wenn ich mich an die geläufigsten Knigge-Regeln gehalten habe. Noch nie ist der Himmel über mir eingestürzt, wenn ich einen Schritt zur Seite gehe, um andere Menschen an mir vorbei zu lassen. Was also der Grund für die Vermeidung von Höflichkeit?

Ist DANKE also das neue Arschloch und ich habe diesen Trend verpasst? Bin ich meiner Zeit hinterher? Zielt das Anstandsbewusstsein des 21sten Jahrhunderts mehr auf spitze Ellenbogen und Miesepeter-Gesichter? Derart in meine Gedanken versunken erreichen wir den Park. Auf der Hundewiese spielen Kinder Fußball. Ich leine meinen vierbeinigen Kumpel ab. Schon erreicht das erste Gezeter einer in flatterndes Sackleinen gekleideten Mutter meinen empfindlichen Gehörgang. Ob ich denn nicht sehen würde, dass Kinder frei herumlaufen.

Ich nicke. „Ja, das sehe ich.“

„Dann nimm deinen Hund an die Leine.“

„Bitte. Sie. Und: nein.“, antworte ich ruhig und ernte verständnisloses Glotzen.

Was mir einfiele, nölt die Mutter weiter.

„Eine Menge.“, lasse ich mich ruhig auf den Schlagabtausch ein. „Zum Beispiel dass ihre Kinder auf einer Hundewiese Fußball spielen und wir beide noch nicht zusammen im Sandkasten gebuddelt haben. Weshalb ein SIE Arschloch besser angebracht wäre, als DU Arschloch.“

Das verständnislose Glotzen der Mutter geht einher mit einem Absacken ihres Kinns und gleichzeitiger Sprachlosigkeit. Dann ist es an ihr den Kopf zu schütteln.

Gewonnen! Nicht mein Niveau. Aber gewonnen.

Der Fußball der Kinder rollt vor meine Füße. Ich kicke ihn zurück.

„Danke!“, höre ich einen der Buben rufen.

Na geht doch!, denke ich und grinse der sich von mir abwendenden Mutter hinterher.

Ich schlafe nicht mit dem Knigge unterm Kopfkissen, doch ein paar einfache Benimmregeln für den Alltag beherrsche ich durchaus. Für ein freundliches Miteinander, für mehr Rücksicht und eine angenehme Welt. Und für heute abgerundet mit einem entspannten Abendgruß und den besten Wünschen für einen sonnigen Start in die neue Woche.

Danke für das Lesen!

 

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