R.I.P. Erwartungen.

Der Bildschirm meines Smartphone wirft blaue Lichtschatten auf mein Gesicht und ich sehe ein Spiegelbild meiner selbst auf dem Glas des Displays, unterbrochen von Bildern und Texten der Facebook-Neuigkeiten.

Was erwartest Du von 2017?, steht auf meiner Stirn, und auf meiner Nase macht sich wie ein großes Pflaster ein Schwarzweißbild einer nachdenklichen Frau breit. Der Teaser zum Text zieht sich wie ein Schnurbart über meinen Mund. 10 Dinge, die besser machen kannst und 10 Dinge die Du lassen solltest, damit das neue Jahr perfekt wird.

Ich habe schon keine Lust mehr, meine Zeit mit dem Inhalt des Dossiers eines bekannten Frauenmagazins, zu vergeuden.

Und so blicke ich auf das Display und das Spiegelbild meiner selbst, zwischen all den Buchstaben und Bildern, während das Wort Erwartung auf meiner Stirn prangt.

Die Er I war I tung. Substantiv, feminin. Zustand des Wartens, Spannung. Das passt gut, denke ich und muss lachen.

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Auszeit.

Ich habe sie so satt, die ganzen Zeitmanagementberatungen und Gute-Laune-Kalendersprüche, die Lifestyleblogs und Aussteigergeschichten. Immer zu lesen, wie ich sein könnte, wenn ich loslasse – mich, die Zeit, meine Ansprüche, dass was ich bin. Damit ich mich zu dem entwickeln kann, was ich wirklich und wahrhaftig sein möchte. Ich habe gelesen, zugehört, verglichen, angewendet. Und jetzt? Jetzt stehe ich kopfschüttelnd über dem ganzen Haufen guter Ansätze und möchte ein zündelndes Streichholz daran lecken lassen. Weil es eben nicht immer funktioniert. Es gibt nicht die Lösung für jeden einzelnen Menschen. Also lass brennen! Nieder mit den Gedankenfetzen, die lauernd in meinem Hinterstübchen hocken und mir mit Gollumgleicher Stimme zuflüstern: „Mein Schatz, es ist zwanzig Uhr. Hör auf mit arbeiten. Jetzt bist du dran. Qualitytime. Me-Zeit.“

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