Pippi Langstrumpf, Robbie Williams und die Leipziger OBM-Wahl

Eine Medaille hat zwei Seiten, aber es gibt mehrere Blickwinkel. Ein Bild kann eine Geschichte erzählen oder viele verschiedene. Was ich sehe, ist meine Wahrheit und nicht immer die Tatsächliche. Ein Beispiel gefällig? Ich habe gleich zwei. Ein politisches und ein mütterliches.

In Leipzig ist OBM-Wahl. Es geht in die zweite Runde, da keine/r der Kandidatinnen und der Kandidaten in der ersten mit der absoluten Mehrheit überzeugen konnte. Und doch war das knappe Ergebnis zwischen zwei Amtsanwärtern überraschend. Einige der Kandidaten verließen ihr Wahlkampfschiff, drei blieben in den ihren sitzen und schaukeln nun der Ziellinie entgegen. Oder rütteln und bringen die Kähne der anderen zum Schwanken, von links nach rechts oder in Schiffsprache: von steuer- nach backbord. Die Presse flitzt mit Speedbooten um die drei OBM-Anwärter und versucht aus deren Einsatz ein Ergebnis zu schlussfolgern. Liegen die Ruder richtig im Wasser? Und wie ist das Segel gesetzt, wenn der Wind auffrischt? Einem Reporter gelingt dabei ein unglaubliches Bild: eine kleine grüne Fliege hatte sich auf der Schulter des einen Voranstürmers niedergelassen und reibt sich ihre dünnen Beinchen. Die Schlagzeile war gemacht: „OBM Kandidat nutzt Kraft der Fliegenflügel um als erster durch das Ziel zu schießen.“ Das Bild wird kräftig in sozialen Medien geteilt und befeuert. „Der neue Herr der Fliegen“, titeln die einen überspitzt, während die anderen mit dem Kopf schütteln.

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Mir fällt spontan ein Foto vom Juni 2017 ein. Es zeigt, wie ich Robbie Williams küsse. Weiterlesen

RESPEKT!

16.30 Uhr mitten in der Woche. Wir sind verabredet, meine Tochter und ich. Mit Kindern und Müttern. Mit Freunden. Die Sonne hat sich durch die Wolken geschoben und trotz der Kälte ist es schön draußen, zu sein. Das finden nicht nur wir. Klettergerüste, Schaukeln und die Rutsche sind fast dauerbelegt und auf den hinteren Bänken hören ein paar Jugendliche laut Musik. Deutsche Musik. Rap. Die Texte sind gewöhnungsbedürftig und ich bin froh, dass meine 2jährige diese nicht versteht.

Ich sage nichts dazu, bitte die Gruppe aus circa vier 16 bis 18jährigen nicht, die Lautstärke zu regeln, sondern hoffe irgendwie, dass sie von selbst merken, wie wenig diese Musik zu dem Ort passt. Und irgendwann höre ich ganz weg und konzentriere mich auf den sonnigen Nachmittag mit meiner Tochter und Freunden. Bis einer rülpst. Laut. Und natürlich schaue ich reflexartig auf. Der Längste der Teenager wirft im selben Moment seine Bierflasche im hohen Bogen in das Gebüsch hinter ihm. Das stößt mir auf. Zu lange schon. Zu oft habe ich kaputte Flaschen von Spielplätzen und Wiesen geräumt, damit sich weder Kinder noch Hunde verletzen. Zu oft habe ich Scherben aus dem Sand gefischt und den Müll anderer beseitigt. Mir reichte es. Und das sagte ich ihm geradewegs ins Gesicht. Ob ihm die Mutti nicht ein wenig Anstand beigebracht hätte? Und dass er die Flasche wieder aus dem Gebüsch angeln solle, schließlich spielen hier Kinder.

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Mutterschaft ist kein rosa Designermäntelchen

Samstagnachmittag. Zwei Tage vor Weihnachten. Ich sitze in der Küche mit einer Tasse Pseudokaffee (entkoffeiniert) in der einen und mit dem Handy in der anderen Hand, um in den nächsten 10 Minuten alle Nachrichten meiner Freunde und der Familie zu beantworten und um einen schnellen Blick in die sozialen Netzwerke zu erhaschen. Fünfzehn Minuten später lese ich noch immer Blogs und scrolle mich durch die bunte Insta-Welt. Mittlerweile ist mein Blutdruck im oberen Level meines Normalzustandes angekommen. Das liegt einerseits an der Hausarbeit die noch erledigt werden möchte, bevor unser Töchterchen aus ihrem Mittagsschlaf erwacht, andererseits an den Stories und magazintauglichen Fotos der Netzwerkblasen.

Post 1: Mami posiert im Partnerlook mit Babygirl. Rosa Mäntelchen schwingend tänzeln sie über verschneite Wege, kurz blitzt das Logo des Designers auf.

Post 2: Mami und Papi schmücken einen prächtigen Weihnachtsbaum, während sich ihre drei Kids darunter neckisch mit Rentierpullovern vor einem Geschenkeberg arrangieren.

Post 3: Double-Mom-to-be kuschelt mit Kind Nummer eins und einer hübsch verhüllten Babymurmel gemütlich und entspannt vor dem Kamin, die eigene Wallemähne in sanfte Locken gelegt. Das Feuer prasselt und Double-Dad-to-be schwenkt im Hintergrund ein Gläschen Hochprozentiges. Die dazugehörige Flasche unauffällig in die Bildgeschichte integriert.

„Mensch Mandy!“, werden wohl gerade einige denken. „Biste etwa neidisch?“ Weiterlesen

Zwischen Kind und Kunst.

Ich habe Zeit. Ungefähr drei Stunden. Bis unser Mini nach einem weiteren Cocktail aus der Milchbar verlangt. Drei Stunden in denen der Papa diverse Albernheiten und den Mittagsschlaf mit seiner Tochter teilt. Drei Stunden in denen ich weniger Mama und mehr Frau sein werde.
Ich sitze auf dem diesjährig unbepflanzten Balkon und überlege, was ich mit meiner Zeit anfangen kann. Haare waschen? Maniküre? Schlafen? Schnell eine Freundin anrufen und spontan nach Zeit fragen? Haushalt? Der Geschirrspüler müsste ausgeräumt und die Pflanzen von ihren trockenen Blättern befreit werden. Der Rest ist glücklicherweise getan. Nicht von uns, aber von einer wunderbaren Fee, die unsere Räume in eine wohnliche Oase verwandelt, während ich unsere Tochter und den Hund bespaße und der Mann arbeiten ist. Oder wir in Familie etwas unternehmen können. Über vier Monate habe ich mich gefragt, wie das andere Familien machen. Mit dem Haushalt und dem ganzen Gedöns. Ich bin schon froh, wenn alles aufgeräumt und die Wäsche sauber ist. Denn zwischen Aufstehen, Gassirunden mit Hund und Kind, stillen, kaspern, kuscheln, spielen und manchmal auch essen, bleibt wenig Zeit für die Raumhygiene. Eigentlich keine. Weiterlesen

Tausche Playstation 3 gegen ein paar Schuhe. Nur ehrlich gemeinte Angebote.

Ich bin sehr gut im Ausmisten. Mein Freund dagegen sehr gut darin, Dinge behalten zu wollen. Weil man diese sicher wieder einmal verwenden könnte. Weil diese Geld gekostet haben. Wir entrümpeln gerade unsere Küche. Ich beäuge ihn misstrauisch, als ich eine angeschlagene Kaffeetasse in die Box mit der Aufschrift Müll stelle.

„Warte!“, ruft er und ich zucke zusammen „Ich frage meine Oma ob sie die Tasse für den Garten brauchen kann.“

„Sie ist angeschlagen und Oma bekommt doch schon unser altes IKEA-Service. Die hier kommt in den Müll.“, erkämpfe ich mir mein Recht auf Schnick-Schnack-Erleichterung.

So geht das schon eine Weile. In der Kiste für den Müll ist kaum der Boden bedeckt, wogegen sich die Utensilien, welche eventuell noch einmal Verwendung in anderen Haushalten finden könnten, schier überquellen.

„Pah!“, tönt es plötzlich dumpf aus den Tiefen eines Küchenschrankes. „Was ist hiermit? Das kann doch weg, oder?“ Triumphierend hält mein Freund meinen Smoothie-Maker in die Höhe, welchen ich mir in kurzer Anwandlung einer Superfood-Ernähungsstrategie gekauft hatte. Drei Monate später habe ich festgestellt, dass mir Obst in seiner reinen, festen Form am besten schmeckt. Seitdem gammelt dieser Zerhäcksler zusammen mit Partyplastikgeschirr, verschiedenen Schnapsgläsern und einer Pompadour von Pseudo-Tupperware in den hinteren Ecken unseres Küchenmobilars.
Schon will ich ihm diesen aus der Hand nehmen und in die noch fast leere Kiste Müll stellen, als mein Freund sein wohlbekanntes Veto einlegt.

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Ist DANKE ein Arschloch?

„Ist DANKE ein Arschloch?“, frage ich mich, als ich mit meinem Hund halb auf dem Fußweg, halb in der Hecke stehend, erwachsene Fahrradfahrer auf dem Fußweg vorbeihuschen lasse. Kein freundliches Danke, kein Kopfnicken, keine Rücksicht. Ich blicke den in sportliches Nylon gewandeten Mittdreißigern hinterher und schüttele verständnislos den Kopf. Gerade wollen wir aus dem schützenden Gebüsch wieder hervortreten, als eine Menschengruppe als wegeinnehmende Blockbrigade mit Zwillingskinderwagen gemütlich an uns vorbeispaziert. Wir halten beide die Luft an, mein Hund und ich und machen uns so schmal wie möglich, damit keiner dieser Menschen ein Stück von seinem gesetzten Weg abkommen muss. Ich fange einen mürrischen Blick auf, als mein Hund ihnen ein anständiges BITTE hinterherbellt. Ein DANKE schenken wir uns beide. Vorsichtig strecken wir unsere Nasen nach links und rechts und treten dann befreit auf den Fußweg hinaus. Jetzt ist er unser. Leider nur bis zur nächsten Ecke. Dort angekommen rasen der Vater zuerst, dann Kind plus Kind und zuletzt die Mutter auf ihren Drahteseln auf einen Meter Entfernung an uns vorbei. Vorbei ist es auch mit der Contenance meines Hundes, der nun erschreckt aufjault und wütend in Richtung der Familie seinen Kommentar abgibt.

„Scheiß Töle!“, höre ich noch einen der Erwachsenen rufen.

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Braucht Ihr neuen Krimi-Lesestoff?

Ein Monat. Drei Bücher. Zwanzig AutorenInnen. Wahrscheinlich gewinnen wir damit weder einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde oder einen Literatur-Oscar, aber ganz sicher die Aufmerksamkeit vieler Krimiliebhaber. Denn es gibt ausreichend Lesestoff.

In Stammtischmorde – Das Finale, versammeln sich die besten Kriminalkurzgeschichten aus den Bänden 1-3. Herzlich gern habe ich meine beiden Stories Tanz in den Tod und Phoenix deiner Asche eingereiht.

Tanz in den Tod

Ein Paar Highheels als Zeuge eines Mordes. Ein Mädchen im Taumel des Verliebtseins. Ein Date und der verhängnisvolle Ausgang eines anfangs vielversprechenden Abends.

Phoenix deiner Asche

Eine Kopie ist nie besser als das Original. Auch nicht als Mensch. Eine Geschichte von Neid und Verletzung. Von großen Träumen und kleinen Sünden. Und einem Hund als Schutzengel.

Die Sachsenmorde I haben eine Neuauflage erfahren. Zwei Kurzgeschichten durften sich zu den anderen in die erfolgreiche Anthologie einreihen. Zwei Kurzgeschichten aus der Feder Traude Engelmanns und meiner eigenen.

In Die Journalistin erzähle ich von einer fast tragischen Liebesgeschichte, forsche mit meiner Protagonistin im Chemnitzer Rotlichtmilieu und tauche gemeinsam mit ihr in die Welt der Maskulisten ein. Maskulisten? Wer ist das und darf er das? Das erfahrt ihr alles in Sachsenmorde IDie Journalistin (künstlerische Freiheit ist natürlich vorbehalten).

Und wenn etwas gut ist, dann kann man es gleich noch einmal tun. Zum Beispiel den zweiten Teil der Sachsenmorde herausbringen. Die Sachsenmorde II eben. Hier mache ich mit spitzer Feder die beschauliche Stadt Meißen unsicher. Fünfzehn Jahre zuvor, im Jahr 2002, als die Jahrhundertflut Dresden und Meißen erreicht, machten drei junge Studenten eine interessante Entdeckung, die in der ehemaligen DDR, im Jahr 1989 ihren Ursprung hat. Der Beobachter – so der Name meines Kurzkrimis – ist eine Geschichte, die tatsächlich passiert sein könnte, auch wenn sie an manchen Stellen in Zwischenwelten abtaucht. Was ist 1989 wirklich passiert und kommt erst im Jahr 2002 ans Licht?

Neugierig geworden? Lust auf ein beschauliches Wochenende in der Sonne mit ein bis drei guten Büchern in der Hand? Dann ab zu dem Buchhändler Eures Vertrauens oder online bestellen.

Hier findet Ihr die Bücher bei Amazon:

Stammtischmorde – Das Finale

Sachsenmorde I

Sachsenmorde II

Ich wünsche Euch viel Freude und Spannung beim Lesen dieser wunderbaren Anthologien!

Mandy

Die (Schreib-) Kunst.

„Sag mal Mandy, was macht eigentlich die Schreiberei? Gibt es ein neues Buch oder veröffentlichst Du nur noch Blogbeiträge?“

Das ist die am häufigsten an mich gestellte Frage der letzten drei Monate, neben: „Wie geht es Dir?“ und „Wann sehen wir uns mal?“

Ich will auch gar nicht so weit ausholen, deshalb: Ja. Gut. Hmmm.

Es wird ein neues Buch geben. Ach was sage ich…gleich vier werden dieses Jahr definitiv erscheinen. Drei Anthologien, die schon in den Startlöchern stehen und ein Anthologiebeitrag, ein Kurzkrimi, der noch geschrieben werden möchte.

Es erscheinen:

Die Stammtischmorde – das Finale, in welchem ich mit zwei Krimis vertreten bin. Das sind keine neuen, da diese schon in dem zweiten und dritten Band der Stammtischmorde erschienen sind. Doch für Liebhaber dieser wunderbaren Anthologie ist diese Best Of ein unbedingtes Muss.

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Auf Augenhöhe.

Donald Trump ist der 45. Präsident der USA. Ein Mann der Nationalstolz brüllt und die Würde der Frauen mit Füßen tritt, der durch die Reihen schreitet und diese dabei spaltet. Wie kann ein Mensch, der ‚America first‘ propagiert ein Land zum Leuchten bringen wollen, wenn er das Licht der Nicht-Amerikaner dabei unter den Scheffel stellt? Und darf man einem Mr. Trump Populismus vorwerfen? Darf ich schon heute über einen Mann urteilen, der gerade zwei Tage als Präsident eines der größten Länder der Welt regiert?

Als Frau kann ich dieses Wahlergebnis nicht nachvollziehen. Gleichwenig, wie ich die Popularität der AfD in Deutschland begreife. In meinen Augen ist das ein Rückschritt in der Entwicklung der Menschheit. Denn alles was in den letzten über einhundert Jahren von starken Persönlichkeiten und Menschenrechtlern aufgebaut wurde, die ganze Ideologie von der Gleichstellung der Menschen, verliert seinen Wert zwischen falschem Nationalstolz und der Sehnsucht Einzelner nach den „guten alten Werten“.

Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einiger Zeit mit einer Bekannten. Wir unterhielten uns über die Rolle der Frau in unserer jetzigen Gesellschaft. Sie forderte mich mit der Frage heraus, wie mein Leben aussehen würde, wenn mein Partner genug Geld für uns beide mit nach Hause bringen würde. Ich bat sie, ihre Frage zu konkretisieren.

„Würdest du noch arbeiten gehen, wenn dein Partner euch mit seinem Gehalt komplett absichern könnte?“
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R.I.P. Erwartungen.

Der Bildschirm meines Smartphone wirft blaue Lichtschatten auf mein Gesicht und ich sehe ein Spiegelbild meiner selbst auf dem Glas des Displays, unterbrochen von Bildern und Texten der Facebook-Neuigkeiten.

Was erwartest Du von 2017?, steht auf meiner Stirn, und auf meiner Nase macht sich wie ein großes Pflaster ein Schwarzweißbild einer nachdenklichen Frau breit. Der Teaser zum Text zieht sich wie ein Schnurbart über meinen Mund. 10 Dinge, die besser machen kannst und 10 Dinge die Du lassen solltest, damit das neue Jahr perfekt wird.

Ich habe schon keine Lust mehr, meine Zeit mit dem Inhalt des Dossiers eines bekannten Frauenmagazins, zu vergeuden.

Und so blicke ich auf das Display und das Spiegelbild meiner selbst, zwischen all den Buchstaben und Bildern, während das Wort Erwartung auf meiner Stirn prangt.

Die Er I war I tung. Substantiv, feminin. Zustand des Wartens, Spannung. Das passt gut, denke ich und muss lachen.

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